Lingen. Heute mache ich mich auf den Weg zu einem Termin der ganz besonderen Art. Es geht zu Fuß in die Burgstraße 15, in Lingen. Dort befindet sich die DRK Autismusambulanz. Dort angekommen, erwarten mich bereits zwei Damen aus dem Team – Heike Spalthoff & Johanna Harland. Die beiden haben das Privileg, sich jeden Tag auf’s neue ganz unterschiedlichen Menschen, Themen und Anforderungen zu widmen.

Heike Spalthoff, die mich bereits freundlich am Eingang empfängt, ist systemische Familientherapeutin & staatlich anerkannte Motopädin. Selbstbewusst streckt Sie mir die Hand zur Begrüßung aus und wir halten kurz ein wenig Small-Talk. Ich fühle mich sofort wohl und bemerke nebenbei, wie neu hier noch alles riecht. Auch, wenn die Räumlichkeiten auf den ersten Blick sehr dezent eingerichtet sind – der Geruch frischer Farbe hängt noch in der Luft. Und der von gutem Kaffee auch.

Gespannt folge ich Frau Spalthoff, nachdem sie mir den Regenschirm angenommen hat, in Richtung eines Gesprächs-Zimmers. Dort sehe ich noch jemanden sitzen – Johanna Harland, Diplom Psychologin & Psychotherapeutin. Trotz der Technik, die Sie vor sich auf dem kleinen Tisch ausgebreitet hat (Notebook & 2 Smartphones), strahlt Sie eine offene und warme Aura aus. Ich merke sofort, dass die Beiden eine gute Basis bilden. Wir setzen uns hin und beide bieten mir Kaffee an. Da sage ich natürlich nicht nein. Die nächste knappe Stunde, in der wir uns austauschen, ist sehr Aufschlussreich für mich. Wir reden über Wahrnehmung, Autismus sowie dessen Formen und bleiben zwischen den Zeilen auch von philosophischen Denkansätzen nicht ganz verschont.

Schnell merke ich, dass es bei der Autismusambulanz nicht bloß um Unterstützung, Förderung und Beratung geht. Es geht auch darum, Menschen, die aus dem Autismus-Spektrum kommen, nicht als sogenannte Sonderlinge zu klassifizieren. Vielmehr ist das Autismus-Spektrum eine andere Form der Wahrnehmung, die es nicht unbedingt zu verstehen gilt – aber anzunehmen, wertzuschätzen und zu respektieren.

Ich merke, dass die Beiden ganz besonders darauf bedacht ist, wie Sprache im Alltag das Bewusstsein formen kann. Wenn ich zum Beispiel sage, dass jemand Autist*In ist, wie nehme ich diesen Menschen denn überhaupt wahr? Sehe ich etwa nur noch den Autisten/die Autistin – oder sehe ich jemanden mit Fähigkeiten und Begabungen vor mir, der im alltäglichen hier und da vielleicht etwas Schwierigkeiten hat?

Der Alltag, so scheint es mir, kann für Menschen aus dem Autismus-Spektrum ganz unterschiedliche Herausforderungen bereithalten. Da es laut Harland verschiedene Autismus-Formen gibt, kommen viele Kunden mit ganz unterschiedlichen Anforderungen & Fragen zur Autismusambulanz. Manche brauchen zum Beispiel Hilfe bei alltäglichen Dingen, die anderen wiederum sehr leicht fallen. Auch hier ist jeder verschieden. Ich verstehe, wie weitläufig das Thema Autismus ist – zu komplex & vielschichtig, als es hier in rund 550 Wörtern zu beschreiben. Denn auch hier taucht, wie in unserem Gespräch, immer wieder eine wichtige Grundfrage auf: „Was ist denn eigentlich Wahrnehmung?“

Um diesen Fragen auf den Grund zu gehen, lädt die Autismusambulanz zum Tag der offenen Tür ein. Und zwar am 21. September 2018 von 14.00 — 17.00 Uhr. An diesem Tag gibt es dort – neben Kaffee & Kuchen – eine ganze Menge zu entdecken. Das Team wird ebenfalls vor Ort sein und auf Wunsch sicherlich auch die ein oder andere Frage beantworten.

Fest steht: Das Autismus-Spektrum ist vielen in der Gesellschaft nach wie vor nicht – oder nur teilweise – geläufig. Bringen wir unsere Gesellschaft also weiter voran, indem wir alle zwei große Schritte aufeinander zu machen. Für ein buntes Lingen & eine noch buntere Gesellschaft!