Karl Lagerfeld hat bekanntlich einmal gesagt: „Mode entkommt man nicht, denn selbst wenn Mode aus der Mode kommt, dann ist das schon wieder Mode.“ Wir drücken uns durch unsere Kleidung aus, wir zeigen wie wir uns fühlen und wir identifizieren uns damit nicht selten als ein Teil einer Gruppe. Dabei sind es aber längst nicht nur Kleider, Hosen und Shirts, die die Herzen von modebegeisterten Frauen und Männern höher schlagen lassen. Accessoires wie hochwertige Taschen nehmen sehr viel Platz im Kleiderschrank ein und sind gerade jetzt zur Vorweihnachtszeit eine beliebte Geschenkidee. Wir haben einmal hinter die Kulissen einer renommierten Taschenmarke geschaut – in die italienischen Fabrik von Luxusledermarke Maxwell Scott.

Tradition ist mehr als nur ein Wort

Taschen gibt es wie Sand am Meer, seine Taschen erkennt Roberto aber sofort. Ihm gehört die kleine Lederfabrik in Italien, wo die Luxusmarke Maxwell-Scott seine Produkte produzieren lässt. Die Fabrik hat vorher schon Robertos Vater Domenico gehört und fast die ganze Familie arbeitet hier noch bei der Produktion mit, von der 79-jährigen Tante bis hin zur Robertos Tochter, die eigentlich im nächsten Jahr Medizin studieren möchte. Leder gehört für die Familie einfach zum Alltag dazu, denn als Großvater Domenico begann, in der Lederindustrie zu arbeiten, war er gerade einmal 13 Jahre alt. Vor mehr als 50 Jahren eröffnete er zusammen mit seinen Brüdern seine erste Fabrik, damals noch im italienischen Verona. Die aktuelle Fabrik, in der die Taschen von Maxwell-Scott produziert werden, wurde im Jahr 1975 eröffnet.

Hochwertige Ledertaschen erkennt man nicht nur am guten Aussehen, sondern auch an der sorgfältigen Verarbeitung – diese findet deshalb häufig noch in Handarbeit statt. Um Luxus Ledertaschen zusammenzusetzen, werden die passenden Schnittmuster zuerst einmal in große Lederstücke eingeritzt; viele Firmen haben dafür extra Schneidemaschinen. Sobald die Muster im Leder sind, werden diese herausgeschnitten und mit dem jeweiligen Logo der Firma versehen. Da die Lederstücke am Ende zusammengenäht werden, müssen einige Ecken ein bisschen dünner gemacht werden – ansonsten geht die Nadel nicht durch das Leder. Da durch das Schneiden des Leders die Kanten ein bisschen ausgefranst sind, werden diese gerade bei Luxustaschen noch einmal wieder sauber gefeilt und eingefärbt, damit das Leder überall die gleiche Farbe hat und nicht an den Kanten heller ist. Bevor eine Maxwell-Scott Tasche seine Fabrik verlässt, inspiziert Roberto jedes Produkt persönlich noch einmal. Der Kunde soll schließlich gute Qualität bekommen – aber Roberto könnte es auch nicht haben, wenn etwas aus seiner Fabrik nicht perfekt ist.

Moderne mit einem Touch von damals

Auch wenn das komplette Fabrikgebäude in Italien inzwischen mit Solarstrom gepowert wird, so sind doch noch einige der Maschinen, die zum Beispiel für die Stanzung der Löcher in den Taschen genutzt werden, noch aus den 70er Jahren. Das ist bewusst so gewählt, denn laut Roberto sind diese Maschinen viel besser, als die modernen Varianten. Generell sieht man der kleinen Taschenfabrik die Tradition an, denn manche der Mitarbeiter sind schon mehr als 40 Jahre für Roberto und seinen Vater tätig. Damit gehören sie zwar nicht offiziell zur Familie, inoffiziell allerdings schon.

Fabrikarbeiterin Luisa ist inzwischen über 60 Jahre alt und arbeitet seit 1976 in der Fabrik. Als sie noch jünger war, hat Luisa ihre Tochter Patrizia manchmal für einen Besuch mit in die Fabrik genommen. Inzwischen arbeitet diese ebenfalls seit mehr als sieben Jahren dort. Laut Patrizia genießt sie es, täglich mit ihrer Mama zusammenzuarbeiten und besonders die kleinen Leder-Arzttaschen herzustellen – das ist das Lieblingsprodukt der beiden. Beide bemerken allerdings deutlich, dass das Leder heutzutage eine bessere Qualität hat, als noch in der Vergangenheit. Das liegt an den modernen und besseren Verarbeitungsmethoden und dem umweltfreundlichen Gerbungsprozess. Heutzutage werden keine Kühe nur für das Leder gezüchtet, vielmehr ist Leder ein Abfallprodukt der Nahrungsmittelindustrie. Das europäische Leder, das für die Maxwell-Scott Produkte genutzt und in der kleinen Fabrik in Italien verwendet wird, wird nur mit Tanninen gegerbt, welches die Farbstoffe des Kastanienbaumes sind. Dadurch riecht es in der Fabrik manchmal wie in einem Kastanienwald. Luxus Lederwarenanbieter wie Maxwell-Scott färben ihr Leder bewusst auf traditionelle Art und Weise und nicht mit Chrom, da dieses die Umwelt sehr schädigen würde.

Das gute Gefühl

Eine neue, schicke Tasche löst beim Besitzer nicht selten etwas ähnliches wie Glücksgefühle aus. Robertos Tante Rosana geht es ähnlich. Die 79-Jährige arbeitet freiwillig noch heute in der Fabrik, denn sie sagt, die Arbeit hält sie am Leben. Sie mag das Gefühl, noch immer gebraucht zu werden und ein Teil der Gemeinschaft der Fabrikmitarbeiter zu sein. Dabei fertigt sie besonders gerne die größeren Taschen, die durch die Handarbeit viel länger bei der Fertigung brauchen. Große Taschen und besonders Reisetaschen von guter Qualität, die viele Strapazen aushalten müssen, werden mit der Nähmaschine besonders sorgfältig vernäht und brauchen dadurch deutlich mehr Zeit. Für Rosana ist jede Tasche, an der sie mitarbeitet, ein kleiner Sieg über ihr Alter.

Auch für Roberto ist selbst nach all den Jahren jede Tasche, die seine Fabrik verlässt, noch etwas Besonderes. Denn er ist sich bewusst, dass eine Tasche eben nicht nur einfach eine Tasche ist. Sein Lieblingsspruch lautet: „Wir verkaufen keine Taschen, wir verkaufen Emotionen“ und genauso geht er auch an die Produktion – manchmal laut, manchmal gestresst, aber immer mit Leidenschaft für seine Taschen.