Deutschland ist Europameister in der Produktion von Verpackungsmüll. Die aktuellen Zahlen des Umweltbundesamtes berichten von 18,2 Millionen Tonnen Verpackungsabfällen für das Jahr 2016. Die entspricht 220,5 Kilogramm Verpackungsmaterial pro Kopf, mehr als 50 Kilogramm über dem EU-weiten Mittel. Um der Verpackungsflut Einhalt zu gebieten, wird ein neues Verpackungsgesetz am 1. Januar 2019 die derzeit geltende Verpackungsverordnung ersetzen. Aber schon jetzt können Industrie, Handel und private Haushalte vieles unternehmen, um den Verpackungsmüll drastisch zu reduzieren. 

Die Welt ertrinkt im Verpackungsmüll. <a href="https://pixabay.com/users/MabelAmber/">MabelAmber</a> / Pixabay

Die Welt ertrinkt im Verpackungsmüll. MabelAmber / Pixabay

Verpackungen belasten die Umwelt gleich dreifach: bei ihrer Herstellung, beim Transport und bei der Entsorgung. Den neuesten Statistiken zufolge liegt die Wiederverwertungsquote bei 97,2 Prozent und übertrifft damit die Vorgaben der Verpackungsverordnung bei Weitem. Das klingt zunächst einmal gut. Wieso also ein strengeres Verpackungsgesetz? Ganz einfach: Nur 70 Prozent aller Verpackungen werden tatsächlich recycelt, also „stofflich wiederverwertet“. Der Rest wird in Müllverbrennungsanlagen der sogenannten „energetischen Verwertung“ zugeführt. Bei Verpackungen aus Metall, Glas, Papier und Karton liegt der Recyclinganteil bereits um die 90 Prozent. Verpackungen aus Kunststoff werden dagegen nur zur Hälfte stofflich verwertet, da das Recycling hier wesentlich aufwendiger ist. So fallen die wertvollen Kunststoffe zu einem großen Teil der energetischen Verwertung zum Opfer. 

Verpackungen reduzieren, Mehrwegsysteme fördern, Recyclinganteil erhöhen 

Eine griffige Zauberformel zur Verringerung der Verpackungsflut lautet: Refuse, Reduce, Reuse, Recycle. Zu Deutsch: Verpackungen vermeiden, reduzieren, wiederverwenden, recyceln. Nur was dann noch übrig bleibt, muss energetisch verwertet oder endgültig entsorgt werden. Diesem ebenso simplen wie überzeugenden Modell folgt das neue Verpackungsgesetz. Priorität hat die Abfallvermeidung: Auf unnötige Verpackungen soll ganz verzichtet werden. Notwendige Verpackungen sollen leichter und einfacher werden, um den Materialeinsatz zu minimieren. Wo immer es möglich ist, sollen Verpackungen direkt wiederverwendet werden. Daher werden Mehrweg- und Pfandsysteme gefördert und ausgebaut. Verpackungen, die nicht wiederverwendet werden können, sollen so weit eben möglich stofflich wiederverwertet werden. Die Vorgaben sind streng: Müssen aktuell nur 36 Prozent der Kunststoffabfälle recycelt werden, steigt die Quote bis 2022 stufenweise auf 63 Prozent. Um dies zu erreichen, muss konsequenter auf Einstofflösungen gesetzt werden, da das Kunststoffrecycling häufig am hohen Sortieraufwand scheitert. 

Clevere Verpackungen für Industrie und Handel 

Handel und Industrie sind stets auf der Suche nach kosten- und ressourcensparenden Verpackungslösungen. So haben sich Pfandsysteme für Mehrweg-Transportverpackungen bewährt, wie das europaweite Tauschsystem für Holzpaletten oder die faltbaren Lebensmittelkisten aus Kunststoff. Die Verpackungsindustrie arbeitet daran, Verpackungsmaterial stärker als bisher passgenau auf den Einsatzbereich abzustimmen und den Einsatz von Kunststoffen auf Bereiche zu beschränken, in denen sie aufgrund ihrer spezifischen Qualitäten unverzichtbar sind. Alexander Schönegg, Experte für innovative Verpackungslösungen von Combra meint: „Umweltfreundliches Verpacken ist heute nicht mehr schwierig. Es gibt viele Möglichkeiten, Kunststoffe durch umweltverträgliche Materialien zu ersetzen. Mit zukunftsweisenden Papierlösungen lässt sich die Recyclingquote deutlich erhöhen.“ Dank neuer Herstellungsverfahren sind Kartonagen heute deutlich leichter als vor zehn oder zwanzig Jahren und erreichen mit geringerem Materialeinsatz die gleiche Stabilität. Sie sind die Basis für moderne Einstoffverpackungen, die sich vollständig recyceln lassen. Luftpolsterfolie oder Verpackungschips sind von gestern, heute besteht das Füll- und Polstermaterial aus Papier oder recycelter Pappe. 

Mitdenken und Verpackungsmüll reduzieren 

Jeder kann etwas tun, um das Verpackungsaufkommen zu senken. Wer ganz rigoros auf Einwegverpackungen verzichten will, kauft im sogenannten „Unverpackt-Laden“ und füllt die lose Ware in eigene Behälter wie Stofftaschen oder Gläser ab. Wer keinen solchen Laden in der Nähe hat, kann beim Einkauf immerhin auf Plastiktüten verzichten und Obst und Gemüse in mitgebrachte Papiertüten oder Netze packen. Auch das Wiederverwerten liegt voll im Trend. Beim „Upcycling“ geben kreative Köpfe alten Verpackungen eine neue Funktion: Kaffeekapseln verwandeln sich in bunte Deckenleuchten, Holzpaletten in originelle Möbelstücke oder Plastikflaschen in praktische Organisationshelfer. Inspirationen finden sich auf Instagram, die passenden Erklärvideos und Anleitungen auf YouTube.