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Honig vom Balkon

In der Stadt werden immer mehr Bienen gehalten

„Es gibt kaum einen besseren Ort als die Stadt, um Bienen zu halten“, meint Josef Dühnen. Dühnen ist Freizeit-Imker in haselünne und damit Teil einer internationalen Bewegung. Ob in New York, Paris oder Berlin – überall in den Metropolen boomt die Stadt-Imkerei.

Ihren Nektar holen sich die Bienen von Josef Dühnen auf Balkonen, in begrünten Innenhöfen, von benachbarten Schrebergärten oder aus dem nahegelegenen Stadtpark. Mit dem Häusermeer der Großstadt sind die Tiere vertraut; unbeirrt vom Verkehrslärm fliegen sie ihre Futterplätze an. Das Angebot ist reichhaltig: „Es gibt kaum einen besseren Ort als die Stadt, um Bienen zu halten“, sagt Dühnen. Der Freizeit-Imker in Haselünne ist damit Teil einer internationalen Bewegung. Ob in New York, Paris oder Berlin – überall in den Metropolen boomt die Stadt-Imkerei.

Die Honigbiene zieht es vom Land in die Stadt. Denn auf dem Land herrscht agrarindustrielle Ödnis: Hecken, Kleingehölze, Waldstücke und Bachränder wurden im Zuge der Flurbereinigung systematisch gerodet und es entstanden weite, eintönige Agrarflächen – gut für großräumige Monokulturen, schlecht für Bienen. Denn Monokulturen werden binnen weniger Tage abgeerntet. Schlagartig entstehen grüne Wüsten, in denen die Bienen weder Pollen noch Nektar finden. Hinzu kommt, dass die Bauern weniger Zwischenfrüchte kultivieren und ihre Wiesen oft schon vor der Blüte mähen. In manchen Regionen finden Bienen bereits im Juli nur noch blütenfreie Flächen vor. „Auf dem Land hungern die Bienen“, sagt Manfred Hederer, Präsident der deutschen Berufsimker. „Manche Völker sterben mitten im Sommer.“

Nachwuchs gesucht
Anders in der Stadt: Hier locken begrünte Dachterrassen, Kleingärten, ungedüngte Blumenwiesen, Brachflächen und aufgelassene Friedhöfe mit einem Nahrungsangebot sondergleichen. Irgendwas blüht immer in der Stadt. Weil das Blütenangebot hier vielfältiger ist und der Pestizid-Einsatz gering, sind Stadtbienen gesünder als ihre Schwestern auf dem Land. Das macht sie widerstandsfähiger gegen die Varroa-Milbe, ihren größten Feind. Die Milbe verbeißt sich im Pelz der Bienen und saugt ihr Blut. Die Tiere werden anfällig gegen Infektionen, viele überstehen den Winter nicht.

Der aus Asien eingeschleppte Blutsauger treibt seit etwa 30 Jahren sein Unwesen in Europa. In manchen Wintern verendet in Deutschland fast ein Drittel aller Bienenvölker. Varroa gilt als eine der Hauptursachen. Die Bienen sind der Killer-Milbe fast hilflos ausgeliefert; nur der Mensch kann sie schützen: „Mittlerweile hängt der Fortbestand der Honigbiene existenziell vom Imker-Nachwuchs ab“, sagt Josef Dühnen. Doch um den ist es schlecht bestellt: In den vergangenen 60 Jahren hat sich die Zahl der Imker mehr als halbiert. Hinzu kommt die Überalterung des Berufsstandes – es dominiert die Generation 60 Plus.

Bienen in der Kiste

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Um Bienen zu halten, braucht man nicht viel Aufwand zu treiben. Es genügt eine Holzkiste, einen Meter lang, einen halben Meter breit, 20 Zentimeter hoch, die praktisch überall aufgestellt werden kann: im Kleingarten, auf der Dachterrasse, auf dem Balkon. Die Idee für die „Bienenkiste“ stammt von Erhard Maria Klein aus Hamburg: „Die Konstruktion kommt dem natürlichen Verhalten der Bienen entgegen“, erläutert der Imker. „Das macht die Kiste pflegeleicht.“ Klein veranschlagt den Zeitaufwand auf zwölf Stunden pro Bienenvolk und Jahr. Als Lohn winken bis zu 15 Kilo Honig. Weil sich die „Bienenkiste“ als niederschwelliges Angebot dazu eignet, auch Laien für die Imkerei zu begeistern, hat der NABU Hamburg Erhard Maria Klein mit dem Hanse-Umweltpreis ausgezeichnet.

„Die Bienenkiste ist ein in sich geschlossenes System – ideal für Anfänger“, sagt Ulrich Miller, Nebenerwerbsimker in Freising bei München. Sie erlaube eine „wesensgemäße“ Bienenhaltung, die weitgehend ohne störende Eingriffe in die natürlichen Lebensabläufe auskomme. Beispiel Wabenbau: In der Bienenkiste legen die Tiere ihre Waben selbst an. „Keine Wabe gleicht der anderen“, sagt Miller. In der konventionellen Imkerei werden dagegen Wachsplatten mit vorgegebenen Zellstrukturen verwendet. In der Bienenkiste dürfen die Tiere am Ende des Bienenjahres ihren Honig behalten; geerntet wird nur, was sie im hinteren Teil, der sogenannten Honigkammer, eingelagert haben. Konventionelle Imker füttern ihre Bienen dagegen nach der Honigernte mit Zuckerwasser.

Schwärmen unerwünscht
Auch der Schwarmtrieb der Bienen ist in der konventionellen Imkerei unerwünscht. „Schwärmen schmälert den Ertrag“, sagt Miller, der seine Bienen nach ökologischen Kriterien hält und sie deshalb Schwärmen lässt, wenn die Zeit reif ist. Wird es eng im Nest, zieht im Frühjahr die Königin mit einem Teil der Bienen aus, um ein neues Volk zu gründen. Auf der Suche nach einem Unterschlupf sammeln sich die Bienen dann in einer dicken Traube an Bäumen oder Laternenmasten. Wer will, kann sich jetzt bedienen: Man sprüht den Schwarm zur Beruhigung mit einem Wasserzerstäuber ein, stellt eine Kiste darunter, schlägt auf den Ast und wartet ab, bis alle Bienen in der Kiste sind. Laut Bürgerlichem Gesetzbuch gehört ein herrenloser Bienenschwarm demjenigen, der ihn einfängt.

Quelle: Nabu