Advertisements

Gleichstellungsbeauftragte sehen Frauen in der Corona-Krise im Nachteil

Nordhorn. Aufgrund der Corona-Pandemie muss in Familien aktuell teils deutlich mehr Sorgearbeit für Kinder, Alte und Kranke geleistet werden. Die kommunalen Gleichstellungsbeauftragten in Niedersachsen befürchten, dass diese zusätzlichen Belastungen vor allem an den Frauen hängen bleiben, mit negativen Langzeitfolgen.

 

Beim Zukunftstag spricht die Gleichstellungsbeauftragte Anja Milewski mit Schüler*innen normalerweise über die Bedeutung geschlechtergerechter Berufschancen und faire Arbeitsteilung. In diesem Jahr musste der Aktionstag verschoben werden. Foto: Stadt Nordhorn

 

Eigentlich hätte am 26. März der Zukunftstag für Mädchen und Jungen stattfinden sollen

 

An diesem Tag können Schüler*innen nicht nur in Berufe hineinschnuppern. Sie sollen sich auch damit auseinander setzen, dass veraltete Rollenbilder vor allem bei Frauen negative Auswirkungen auf die Berufswahl und Karriere haben.

Wegen der Corona-Pandemie musste der Zukunftstag verschoben werden. „Das Problem mit den veralteten Rollenbilder spitzt sich aber gerade in dieser Krise noch einmal dramatisch zu“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Nordhorn Anja Milewski.

Schulen und Kindergärten sind geschlossen, in Pflegeeinrichtungen gilt ein Aufnahmestopp, Alte und Kranke sollen möglichst nicht mehr  selber einkaufen gehen. Das alles sind wichtige Maßnahmen im Umgang mit der Corona-Pandemie, doch sie erhöhen die Belastungen für Familien. Wer leistet die zusätzlich erforderliche Kinderbetreuung und Sorgearbeit?

Aus Sicht der Landesarbeitsgemeinschaft der kommunalen Frauen- und Gleichstellungsbüros Niedersachsen (LAG) deutet vieles darauf hin, dass vor allem Frauen diese zusätzlichen Belastungen tragen müssen. Schon vor Corona leisteten sie pro Tag durchschnittlich anderthalb Stunden mehr unbezahlte Arbeit, als Männer. Zu diesen gesellschaftlich notwendigen Aufgaben zählen unter anderem Hausarbeit, Kinderbetreuung und die Sorge um Ältere und Pflegebedürftige.

 

„Diese traditionelle familiäre Arbeitsteilung führt für Frauen seit jeher zu erheblichen Nachteilen“

 

Weiß auch Milewski. Sie ist eine der beiden Koordinatorinnen der LAG für den Bereich Weser-Ems und beobachtet solche typischen Frauenkarrieren auch in Nordhorn und der Region regelmäßig: „Die Haushalts-, Kinder- und Sorgearbeit zwingt die Frauen in Teilzeitjobs oder Berufe mit geringen Einkommen. Eine unzureichende Existenzsicherung, niedrige Renten und Armut im Alter sind die Folgen“, so Milewski.

Angesichts der Corona-Krise appellieren sie und die anderen kommunalen Gleichstellungsbeauftragten im Land nun ausdrücklich an die Männer. Damit diese Situation für Frauen nicht zu zusätzlichen negativen Konsequenzen für ihre Erwerbstätigkeit führt, sei es dringend erforderlich, dass sich Männer verstärkt in die unbezahlte familiäre Arbeit einbringen.

„Es wäre ein wünschenswerter Nebeneffekt von Corona, wenn Sorgearbeit jetzt endlich neu verteilt wird und nicht mehr vor allem zu Lasten von Frauen geht“, so Milewski. Leider würden aber die telefonischen Beratungsgespräche der vergangenen Wochen ein anderes Bild der Realität zeichnen: „Diese Fragen der Arbeitsteilung führen aktuell leider in vielen Familien zum Streit.“

Mit Nachdruck weist die LAG in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass die Aufwertung bestimmter Berufe jetzt absolute Priorität haben müsse. In der Krise seien die sogenannten systemrelevanten Berufe in den Blick gerückt. In diesen seien überwiegend Frauen tätig. Mehr als je zuvor sei es erforderlich, in diesen Bereichen für bessere Arbeitsbedingungen sowie eine angemessene und vor allem gerechte Bezahlung zu sorgen.

„Wir weisen seit Jahren immer wieder auf diese Missstände im Hinblick auf traditionelle Rollenbilder und die Bezahlung von Frauen hin, beispielsweise am Weltfrauentag oder am Equal-Pay-Day. Durch die Corona-Krise spitzt diese Situation sich jetzt weiter zu und es muss dringender denn je ein Umdenken in unserer Gesellschaft stattfinden“, so Milewski.