Wladimir Wiktorowitsch Kaminer wurde 1967 in Moskau, Sowjetunion geboren. Der seit 1990 in Berlin lebende Autor und Kabarettist wurde durch seine Texte, vor allen aber durch Erzählbände wie Militärmusik und Russendisko bekannt. Letzteres wurde 2012 mit Matthias Schweighöfer verfilmt.

Betrachtungen über Russland

Zum einhundertsten Jahrestag der Oktoberrevolution begibt sich Kaminer nun in seiner eigenen russisch-berlinerischen humorvollen Art und Weise aus eine Reise in seine Vergangenheit. Er blickt mit einer gehörigen Portion Selbstironie auf ein Land zwischen alter Sowjetunion und neuem Russland.

„Ach, mein geliebtes Russland, was ist aus Dir geworden?“ Diese melancholisch angehauchte Frage stellt sich Kaminer.

Er liefert unterhaltsame und doch Weise Denkanstöße hinter den Kulissen großer Weltpolitik und versucht uns Lesern Einblicke zu gewähren warum Russen nun mal so ticken wie sie ticken und was das für Auswirkungen auf die momentane Situation des Landes hat.

„Die politische Führung Russlands Landes hat ihren Bürgern vorgelogen, dass es einen Weg gebe, in die Geschichte zurückzureisen, der es möglich macht, alles was schlecht war auszublenden und nur das Gute wiederaufstehen zu lassen.“
Wladimir Kaminer im Focus online

Goodbye Moskau

Beim Überfliegen des Titels dachte ich an ein Sachbuch, aber weit gefehlt. In den liebevollen, authentischen Kurzgeschichten liegt der Fokus nicht auf geschichtliche Ereignisse sondern viel mehr auf die Menschen und die unterschiedlichen Kulturen die aufeinander treffen. Auch ohne große politische Vorkenntnisse meinerseits hat es der Autor geschafft mich mitzunehmen.

Der typische Kaminer Stil mit einfachen Worten Bilder entstehen zu lassen, lässt mich schon nach wenigen Seiten die verschiedensten Personen in mein Herz schließen. Ich fühle beim Lesen den Mut einer kleinen Oma, die sich  vor bewaffnete Polizisten stellt und damit droht das Recht auf freie Meinungsäußerung zu zitieren; den Stolz der Schwiegermutter auf ihren SIL-Moskau, den abhörsicheren Kühlschrank in dem Gurken verschwinden. Ich musste fast ein wenig schmunzeln über den großen, gefürchteten, fast hypnotisch verehrten und wohl auch gleichermaßen gehassten Putin der als kleiner Mann vermeintlich unter Minderwertigkeitskomplexen leiden muss. So jedenfalls die Annahme eines Autoren Freundes von Kaminer.

Mein Fazit

Betrachtet, laut Klappentext, ein Land auf der Suche nach seinem Platz in der Welt. Es ist ein absolut empfehlenswertes, sogleich schlau als auch witziges Lesevergnügen. Ein tolles Buch das Hoffnung macht: Möge Russland erwachen und seinen Platz finden!

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