wkaminer_Foto Jan Kopetzky

Wladimir Wiktorowitsch Kaminer wurde 1967 in Moskau, Sowjetunion geboren. Nach einer Ausbildung zum Toningenieur für Theater und Rundfunk, studierte Kaminer Dramaturgie am Moskauer Theaterinstitut.1990 zog es ihn, genau so wie viele andere junge Leute, nach Berlin. Hier lebt der Autor und Kabarettist auch heute noch mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Bekannt wurde Kaminer durch seine Texte, die er zunähst in Zeitschriften und Zeitungen veröffentlichte. Nebenbei organisierte er Veranstaltungen wie zum Beispiel die Russendisko, die mitlerweile international berühmt und beliebt ist. Durch seine Romane wie etwa Militärmusik und eine vielzahl an Erzählbände wie Schönhauser Allee und Russendisko avanvierte Kaminer schnell zu einem der beliebtesten Autoren Deutschland. Letzt genanntes Werk wurde 2012 überaus erfolgreich mit Matthias Schweighöfer in der Hauptrolle verfilmt. Sehr geschätzt wird Kaminer auch als Redner in politischen Angelegenheiten, wo er beispielsweise über ein neues Russland oder Volksverständigung Vorträge hält. Von Wladimir Kaminer ist bereits unter anderem erschienen

  • Russendisko / Erzählungen
  • Militärmusik / Roman
  • Schönhauserallee / Erzählungen
  • Die Reise nach Trulala / Erzählungen
  • Mein deutsches Dschungelbuch / Erzählungen
  • Ich mache mir Sorgen, Mama / Erzählungen
  • Karaoke / Erzählungen
  • Küche totalitär – Das Kochbuch des Sozialismus / Erzählungen
  • Ich bin kein Berliner – Ein Reiseführer für faule Touristen / Erzählungen
  • Mein Leben im Schrebergarten / Erzählungen
  • Salve Papa / Erzählungen
  • Es gab keinen Sex im Sozialismus / Erzählungen
  • Meine russischen Nachbarn / Erzählungen
  • Meine kaukasische Schwiegermutter / Erzählungen
  • Liebesgrüße aus Deutschland / Erzählungen
  • Onkel Wanja kommt – Eine Reise durch die Nacht / Erzählungen
  • Diesseits von Eden – Neues aus dem Garten / Erzählungen
  • Coole Eltern leben länger – Geschichten vom Erwachsenwerden / Erzählungen
  • Das Leben ist keine Kunst – Geschichten von Künstlerpech und Lebenskünstlern
  • Meine Mutter, ihre Katze und der Staubsauger – ein Unruhestand in 33 Geschichten
  • Goodbye, Moskau – Betrachtungen über Russland
  • Einige Dinge, die ich über meine Frau weiß

Die Erzählungen Dinge, die ich über meine Frau weiß von Wladimir Kaminer sind im August 2017 bei Wunderraum – Bücher im Wilhelm Goldmann Verlag erschienen

In seinem neuen Erzählband, Dinge, die ich über seine Frau weiß, schreibt Wladimir Kaminer über das geheime und für ihn stets unergründliche Wesen seiner Frau.

Einige Dinge die ich ueber meine Frau weiss von Wladimir Kaminer

Einige Dinge die ich ueber meine Frau weiss von Wladimir Kaminer

Olga Kaminer ist auf der fernöstlichen Insel Sachalin geboren und aufgewachsen. Schon als kleines Mädchen verschlang sie im Glauben die ganze Weisheit der Welt darin zu finden, die ganz große Literatur. Olga zog es nach St. Petersburg und ihr erklärtes Ziel war es, hier mit dem Wissen aus sämtlicher Weltliteratur zu glänzen. Furchtbar war für sie die Vorstellung, die Frage nach einem Buch nicht richtig beantworten zu können. Aber egal wo es die junge Frau auch hinzog, Deutschland, Amerika Mexiko oder sogar Japan, die einzigen Fragen die Olga begegneten waren die über ihren Geburtsort in der Taiga. Diese Dinge erzählt uns Wladimir Kaminer in seinem neuen Buch. Aber nicht nur das ist Teil dieses unglaublich humorvollen Erzählungen. Der Autor versucht das geheimnisvolle Wesen seiner Frau zu ergründen. Jedes Jahr zur gleichen Zeit, wenn es grau und ungemütlich in Berlin wird, scheint Olga krank zu werden. Immer wenn die kalte Jahreszeit droht beginnen die fiesen Erkältungen und die langen melancholischen Blicke aus dem Fenster, hinein in den prasselnden Regen. Aber schon seit Jahren gibt es eine Medizin gegen diese schlimme Form von Herbst Blues. Olga liebt schöne Dinge und so wurde schon mancher Winter mit einigen neuen Handtaschen und heiß begehrten Schuhen überstanden. Unbegreiflich für ihre Mann, kauft Olga auch schwindelerregend teure Gegenstände um das gemeinsame Heim zu verschönern. Gegenstände die allerdings keines Falls benutzt werden, sondern sorgsam aufbewahrt im Schrank womöglich ein Eigenleben führen. Neben ihrer Passion alles zu verschönern, besitzt die zweifache Mutter auch noch einen grünen Daumen. Mit ihrer hingebungsvollen Pflege und der unermüdlichen Suche nach Ablegern, dieses auch gerne an den unmöglichsten Orten, könnte sie ohne Probleme halb Brandenburg in einen grünen Dschungel verwandeln.

Besonders aufregend scheint es in der gemütlichen Wohnung zu sein, wenn sich kaukasischer Besuch in Form von Olgas Mutter ankündigt. Vom Jahrestag der Großen Oktoberrevolution bis Weihnachten wirbelt Wladimirs Schwiegermutter unermüdlich durch die Küche in Brandenburg. Auf gar keinen Fall fehlen dürfen dabei die Würste, die als Geschenk an die Familie aus dem kaukasischem Dorf mit nach Deutschland gebracht werden. Olga ärgert sich jedes Jahr aufs Neue über diese unsinnige Wurstschlepperei, schließlich sind doch die deutschen Würste auch nicht zu verachten. Auch über die Angewohnheit ihrer Mutter, schon in aller Herrgottsfrühe mit dem täglichen Kochmarathon zu beginnen, ist Olga alles andere als glücklich. Sie selber zählt wahrlich nicht zu den Sterneköchen. Mit nur einer sehr überschaubaren Anzahl an Gerichten : Bratkartoffeln sibirischer Art, kaukasische Omeletts und einer Eigenkreation namens Armutssalat schaffte sie es aber trotzdem sich und das gesamte Wohnheim während ihres Studiums zu verpflegen. Ganz untypisch für eine russische Frau, die sich im allgemeinen gerne durch ihre Kochkünste profiliert, kann Olga dem stundenlangen zubereiten von feinsten Speisen nichts abgewinnen. Noch nicht einmal die Pilze, die bei endlos langen Spaziergängen gesammelt werden, bereitet Olga gerne zu. Erst durch ein altes Kochbuch inspiriert, tischt Olga eine große Vielfalt an russischen Spezialitäten für die gemeinsamen Freunde auf. Viel lieber noch als das, strickt sie gemeinsam mit Tochter Nicole an einer Socke aus der sich ein Pullover oder womöglich sogar eine Decke entwickelt. Viel Zeit verbringen Wladimir Kaminer und seine Frau auch mit ihren Katzen. Besagt doch schon ein russisches Sprichwort, dass ein Haus ohne Katze wie ein Bett ohne Matratze ist.

Neue humorvolle Erzählungen von Wladimir Kaminer

Neue humorvolle Erzählungen von Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer erzählt mit seinem feinfühligen, charmanten Humor zauberhafte Geschichten über seine Frau

Der neue Erzählband von Wladimir Kaminer mutet schon äußerlich wie ein kleines Kunstwerk an. Ich bin ganz verliebt in das mit roten Halbleineneinband, farblich passendem Vor- und Nachtsatzpapier und bedrucktem Lesebändchen ausgestattetem Buch. Lustige, über seine eigene Frau handelnde Geschichten, kennt man seit Mario Barth ja zu genüge. Kaminer verfasst hier aber unheimlich charmant und dabei herrlich humorvoll seine Gedanken über Ehefrau Olga. In siebenundzwanzig Erzählungen versucht Wladimir Kaminer seine Frau zu verstehen. Beim Lesen dieser 188 Seiten über Olga, habe ich mich das ein oder andere Mal auch selbst entdeckt. Einfach köstlich war zum Beispiel der Versuch, zu ergründen warum Handtaschen und Schuhe gegen eine Erkältung helfen können oder auch die Frage, warum eine Frau unbedingt den neuesten Heimtrainer benötigt, der letztendlich nur als ziemlich teurer Katzenplatz taugt. Typisch für den Autor, vermittelt Kaminer auch in diesem Buch wieder ganz unaufdringlich seine Meinung zur Politik und gibt gewohnt nostalgisch sein Wissen über die Geschichte seines Heimatlands wieder.

Sehr interessant war für mich zu lesen, dass Olga Kaminer auch selber Autorin ist. Es sind bereits erschienen

  • Weihnachten auf russisch
  • Küche totalitär – das Kochbuch des Sozialismus
  • Alle meine Katzen
  • Russische Frauen

Mein Fazit zu Dinge, die ich über meine Frau weiß von Wladimir Kaminer

Wladimir Kaminer hat hier wieder einmal ein wunderbares und humorvolles Buch geschrieben. Es ist eine liebevolle Hommage an seine Frau und ihr undurchschaubares Wesen. Kaminer kommt in diesem absolut lesenswerten Erzählband zu der Erkenntnis, dass es wohl keinem Mann je gelingen wird, eine Frau voll und ganz zu verstehen. Das ist aber auch gar nicht nötig, sie von Herzen zu lieben reicht schon aus.