Windmühlenträume von Brigitte Janson

Windmühlenträume von Brigitte Janson (Foto: Jörg Maire)

Brigitte Janson, deren Klarname Brigitte Kanitz ist, wurde 1957 Lübeck geboren. Nach ihrem Abitur arbeitete sie als Volontärin bei der Allgemeinen Zeitung in Uelzen. Viele Jahre lebte die Journalistin in ihrer Wahlheimat Hamburg, bis es sie 1989 nach Italien zog. Hier lebt Brigitte Janson mit ihren Töchtern und Hund Luna zusammen. Mittlerweile schreibt sie nur noch als Autorin, das aber mit großer Leidenschaft. Für den Roman Windmühlenträume ließ die Autorin sich von ihrer Liebe zu Hamburg und dem Umland der Hansestadt inspirieren. Auf einer Tour durch das Dreistromland sammelte sie Eindrücke. Viele, jedem Hamburger bekannte, Orte und Sehenswürdigkeiten finden sich in dem Roman wieder. Allerdings wurden auch einige Örtlichkeiten verändert oder frei hinzugefügt. Das habe dramaturgische Gründe, so Brigitte Janson.

Die Autorin veröffentlicht ihre Romane teils unter ihrem Namen Kanitz und unter Janson.

Von Brigitte Kanitz sind bislang unter anderem erschienen

Immer Ärger mit Opa
Oma packt aus
Mord mit Schnucke
Onkel Humbert guckt so komisch
Fahr zur Hölle, Schatz!
Mister Dream – Achterbahn der Gefühle
Mister Dream – ein Traumtyp zu viel
Die Herzensammlerin

Von Brigitte Janson sind bereits unter anderem erschienen

Die Tortenbäckerin
der verbotene Duft
Winterapfelgarten
Holunderherzen

Windmühlenträume von Brigitte Janson ist im September 2017 als Taschenbuch im Ullstein Verlag erschienen.

Der Roman Windmühlenträume von Brigitte Janson handelt von Maike, die sich in ihre Vergangenheit begibt, um in der Gegenwart ihr Glück zu finden.
Die siebenundvierzig jährige Maike Matthiesen hat sich in Hamburg ein tolles Leben aufgebaut. Sie lebt in der angesagten Altstadt in einer hübschen Wohnung und hat einen äußerst gut bezahlten Job als Hotelmanagerin im renommierten Brauerhof. Zwar gilt sie bei den Angestellten als kühl, emotionslos und streng, sie ist aber sehr erfolgreich in ihrem Beruf. Bis zu jenem Samstag im Oktober als Maike über den Hamburger Hopfenmarkt eilt. Wie jeden Morgen führt sie ihr Weg an dem Denkmal der Vierländerin vorbei und auch dieses mal senkt Maike den Kopf um nicht einen Blick auf die Statue werfen zu müssen. Zu groß ist ihre Angst davor, Erinnerungen an ihre Kindheit herauf zu beschwören. Mit sturen Blick auf dem Boden bemerkt sie den Radfahrer nicht. Maike schlägt sich den Kopf am Brunnenrand an und kommt erst nach einem Tag in der Uniklinik Eppendorf wieder zu sich. Am Krankenbett wacht ihre Freundin Gesine und kann kaum Glauben was Maike von sich gibt. Maike, die sonst ein wahrer Meister in Selbstbeherrschung ist, flucht auf einmal vor sich hin und erzählt von dem Tag als sie ihre Heimat verlassen hat. Gesine glaubt schon an eine ausgeprägte Schizophrenie, redet ihre Freundin doch sonst nicht gerne über ihre Vergangenheit. Und tatsächlich stimmt etwas nicht mit der Patientin. Maike scheint auf einmal viel aufgeweckter und glücklicher zu sein. Und nicht nur das, sie kann auf einmal nur noch die Wahrheit sagen. Das zieht natürlich ziemlich unangenehme Konsequenzen nach sich. Schon im Krankenhaus kriegt Gesine ihr Fett weg und als Maikes Freund seine Angebetete besucht, wird auch er nicht verschont. Selbst im Brauerhof geht alles schief. Maike Wahrheitszwang macht auch vor Kunden nicht halt. Nicht genug damit, einem eher kräftig gebauten Touristenpärchen anstelle eines schweren Menüs, einen Spaziergang vorzuschlagen; Sie bringt das nobel Hotel auch um eine Gruppe zahlungswilliger Japaner. Ihr Chef, Rolf Wichert schickt sie wutschnaubend in den Zwangsurlaub. Nach dem Streit mit Gesine und der drohenden Kündigung kann sie nur noch ihr Freund aufbauen. Seit zwei Jahren ist Robert Wedemann mit ihr liiert. Der Gemüsehändler oder Grünhöcker wie es in Maikes Heimat geheißen hätte, passt rein äußerlich so gar nicht zu der stets adretten Managerin. Vor einigen Jahren hätte das noch anders ausgesehen. Robert gab seine Karriere als Banker auf und tauschte seine teuren Maßanzüge gegen legere Jeans ein. Obwohl sie ihn erst als Gemüsehändler kennen gelernt hat, passt Maike dieser Werdegang schon lange nicht in ihr schickes Großstadtleben. Mit der zweifelhaften Gabe nun nur noch die Wahrheit zu sagen, wirft sie ihm nun lang verborgene Vorwürfe an den Kopf. Der von Maike so betitelte Öko – Fuzzi scheint zu Wissen was in ihr arbeitet. Er rät ihr, in ihrer Heimat nach Antworten zu suchen und endlich mit ihrer Familie ins Reine zu kommen

So fasst sie also den Entschluss, sich den Schatten ihrer Erinnerung zu stellen. Maike Matthiesen wurde in Südwerder, einem kleinen Ortsteil von Kirchwerder in den Vierlanden geboren. Schon seit der Jahrzehnten ist sie aber nicht mehr dort gewesen. Viel zu schwer scheint der Konflikt mit ihrem Vater und Rosa zu sein. Nie würde Maike sie als Stiefmutter akzeptieren können. Mit diesen festgefahrenen Gedanken im Gepäck, kommt Maike bei ihrer ehemaligen Freundin Carina unter. Umso länger sie in dem kleinen Ort bleibt, umso mehr scheint sie zu verstehen wie schwer es vor langer Zeit für Rosa in Südwerder gewesen sein muss. Als junges Mädchen musste Rosa ihr Elternhaus verlassen, um ihrem Onkel auf dessen Hof in den Vierlanden zur Hand zu gehen. Ihre Jugend in den frühen sechziger Jahren war durch harte Arbeit geprägt und auch später hatte Rosa kein leichtes Leben. Lange Zeit war sie unglücklich in Hinrich verliebt. Nach dem Tod von Maikes Mutter scheint Rosa an Hinrichs Seite endlich glücklich sein zu dürfen. Doch Maike konnte nicht ertragen in Rosa nicht mehr die enge Vertraute, sondern die neue Mutter zu sehen. Es kam seiner Zeit zu einem schrecklichen Zerwürfnis.

Nun, nachdem sie wieder in ihrer Heimat ist, ist es an der Zeit sich endlich auszusprechen.

Obwohl sie sich so viele Jahre davor versteckt hat, muss Maike erkennen, dass sie erst in ihre Vergangenheit zurückkehren muss, um in ihre Zukunft gehen zu können.

Brigitte Janson schreibt mit einer Menge Emotionen, einer gelungenen Prise ländlichem Charme und ganz viel Liebe zur Hansestadt Hamburg
Das idyllische Cover vom 345 Seiten umfassenden Taschenbuch, Windmühlenträume, lässt einen romantischen Landliebe Roman erahnen. Die Geschichte von einer nicht unbedingt sympathischen Person die auf einmal nicht mehr in der Lage ist zu lügen scheint aber auf den ersten Blick nicht ganz unbekannt zu sein. Schnell flimmern Erinnerungen an den Hollywoodstreifen der Ja-Sager in meinem Kopfkino auf. Doch die Protagonistin in diesem Roman von Brigitte Janson, hat zum Glück keine Ähnlichkeit mit einem nervtötenden Grimassen schneidenden Schauspieler. Die Karrierefrau, Maike Matthiesen, verschließt sich so konsequent vor ihrer Vergangenheit, dass es erst einen Unfall braucht, um verdrängte Gefühle zu befreien. Die Autorin hat sehr gut herausgearbeitet in welchem Zwiespalt sich Maike befinden mag. Hin- und hergerissen zwischen Wut, Enttäuschung aber auch Sehnsucht begibt sie sich auf die Reise in ihre Heimat. Neben Maikes Geschichte, schreibt Brigitte Janson über Rosa. Mich persönlich hat die sehr authentische Erzählung über deren schweres Leben als junges Mädchen sehr berührt. Rosa musste aus der Not ihrer Eltern heraus, auf dem von ihr so verhassten Erdbeerhof ihres Onkels schuften. Zaghaft entwickelt sie Gefühle für den stattlichen Nachbarn. Brigitte Janson beschreibt einfühlsam wie Rosa versucht, die unerfüllte Liebe zu Hinrich auf dessen Tochter zu übertragen. Lange ist sie bemüht das kleine Mädchen zu behüten und ihr später eine Vertraute zu sein. Wie schwer muss es Rosa gefallen sein, den Bruch mit Maike zu ertragen. Ganz besonders interessant ist meiner Meinung nach aber auch die Rolle von Maikes Mutter, Christine. Janson baut hier einen angenehmen Spannungsbogen um die Unzufriedenheit und die Sehnsüchte von Christine auf, die immer mehr zur Krankheit zu werden scheinen. Mehr werde ich hier natürlich nicht verraten.

Das Buch ist in 24 Kapitel unterteilt, die zwischen Vergangenheit und Gegenwart wechseln. Ich muss gestehen, dass die Vielzahl von Personen, Verwandtschaftsverhältnissen und Ortsnamen in dem Roman mich einige Male zum Zurückblättern bewegt haben. Dies ist aber keinesfalls negativ gemeint. Das, und die detailgetreuen, malerischen Beschreibungen der Landschaft machen das Buch sehr lebhaft. Abgerundet wurde der Roman auch durch die vielen Mundart Begriffe die ich bislang noch nicht kannte wie zum Beispiel Grünhöker, Appelköm oder Döns. Alle nicht Nordlichter werden aber meistens noch im gleichen Satz aufgeklärt.

Mein Fazit zu Windmühlenträume von Brigitte Janson

Brigitte Janson schreibt so herrlich bildlich und mit Hamburger Schnute, dass man sich beim Lesen sofort zwischen Windmühlen und duftenden Feldern wiederfindet. Windmühlenträume ist ein liebevoller Roman über den Mut sich seiner Vergangenheit zu stellen und dabei das Glück zu finden.