Mit seiner Engelsstimme begeisterte in Ahmsen Julius Herzig als der junge Pèpinot. (Foto: Martin Reinholz)

Mit seiner Engelsstimme begeisterte in Ahmsen Julius Herzig als der junge Pèpinot. (Foto: Martin Reinholz)

Gastspiel des Gymnasiums Gehrden lockt 700 Besucher auf die Waldbühne

Lähden. Schüler des Kurses Darstellendes Spiel des Matthias-Claudias-Gymnasiums (MCG) in Gehrden haben am Samstagabend auf der Waldbühne mit dem Stück „Madame Laurent und ihre Kinder“ ein Gastspiel gegeben. 700 Besucher waren begeistert von einer imposanten Inszenierung und dankten dem 100köpfigen Ensembles mit stehenden Ovationen. Damit hat sich ein langgehegter Wunsch des aus Ahmsen stammenden Lehrers Ludger Deters erfüllt, der von Kindesbeinen an als Darsteller auf der Waldbühne Ahmsen bei zahlreichen Aufführungen mitwirkte.

Der Bundestagsabgeordnete Albert Stegemann hatte bereitwillig die Schirmherrschaft des Gastspiels übernommen und war zusammen mit Niedersachsens Finanzminister Reinhold Hilbers nach Ahmsen gekommen. Hilbers war begeistert vom Engagement der Gehrdener Gymnasiasten. „Hinter der Bühne konnte ich spüren, mit wie viel Leidenschaft und Herzblut die jugendlichen Darsteller bei der Sache sind“, sagte der Finanzminister in seinem Grußwort zu Beginn des Stücks.

Durch solch ein Gastspiel bringe Kultur Menschen zusammen. So etwas gelinge nur, „wenn Lehrer wie Ludger Deters und Sebastian Harms überaus engagiert für eine Sache brennen“ und wenn Schulen für solche Projekte Ressourcen und Freiräume gegeben werden, meinte Reinhold Hilbers.

Das Stück „Madame Laurent und ihre Kinder“ nach Motiven des Films „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ beginnt in der Gegenwart. Pierre Morhange (Miron Näther), ein mittlerweile berühmter Dirigent, trifft in Paris Pèpinot (Armin Pritsch) aus dem Internat für Jungen aus schwierigen Verhältnissen, das beide in ihrer Jugend besucht haben. Pèpinot überreicht Morhange das Tagebuch ihrer ehemaligen Aufseherin Madame Laurent, das längst vergessene Erinnerungen erweckt.

Sehr gut erinnern sie sich unter anderem an den Internatsleiter. „Aktion-Reaktion-Karzer“, das ist das Motto des zackigen Direktors Rachin (Daniel Warneke), der nicht nur mit diesem Spruch die Pennäler des Internats malträtiert. Der strenge Schulleiter zeigt sein pädagogisches Erziehungsprinzip mit Härte und die Schüler müssen die Strafe für so manchen Streich im Karzer verbringen. Dass es allerdings auch anders geht, zeigt die neue Aufseherin. Madame Laurent (Marlene Wybraniec) gelingt es, mit Hilfe der Musik das Vertrauen der Schüler zu gewinnen. Als dann die Mäzenin des Internats, Madame la Comtesse (Emely Kälble) von der musikalischen Darbietung ganz verzaubert ist, sichert sie dem Internat weitere Unterstützung zu und auch der Direktor gibt grünes Licht für den Fortbestand des Chores.
Aus dem großen Ensemble der 80 Akteure jemand besonders hervorzuheben, wäre ungerecht. Und trotzdem kommt man nicht daran vorbei, vor allem die drei jüngsten Darsteller aus dem sechsten Jahrgang extra zu erwähnen: So erzeugte Julius Herzig als junger Morhange mit seiner Engelsstimme pure Gänsehaut mit seinem Solo. Ebenso überzeugen konnten Max Rupnow als junger Pépinot und Tom Mikley als Corbin. Hervorgehoben werden muss aber auch Marlene Wybraniec als Madame Laurent, die mal feinfühlig und emotional, mal energisch und kämpferisch, aber immer präzise und auf den Punkt ihre Rolle verkörperte.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelingt es Madame Laurent im Internat einen Chor zusammenzustellen. (Foto: Martin Reinholz)

Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelingt es Madame Laurent im Internat einen Chor zusammenzustellen. (Foto: Martin Reinholz)

Besonders beeindruckte auch die Umsetzung des bislang auf einer viel kleineren Bühne gespielten Stücks durch die jungen Darsteller. Galt es doch auf der weitaus weiträumigeren Bühne in Ahmsen weite Laufwege zu beachten. Alle Darsteller überzeugten durch eine hohe Textsicherheit und hervorragenden schauspielerischen Können, die Sänger – sowohl im Chor als auch als Solisten – erzeugten wohlklingenden Gesang mit Gänsehautmomenten. Eine rundum gelungene und nahezu professionell inszeniertes und dargestelltes Stück, das die Besucher zum Ende zu langanhaltenden und stehenden Ovation hinreißen ließ.

Schirmherr Albert Stegemann zeigte sich auch fasziniert von der Darbietung und dankte allen Beteiligten vor und hinter der Bühne. Folglich gaben die jungen Künstler schließlich noch eine geforderte Zugabe.
„Experiment gelungen, tolle Besucherzahlen, ansprechendes Stück, hervorragende Darstellung und guter Gesang“, resümierte im Anschluss an das Gastspiel ein sichtlich zufriedener Bühnenvorsitzender Josef Meyer.
Begeistert waren auch die Jugendlichen aus Gehrden. Die 18jährige Hauptdarstellerin der Madame Laurent, Marlene Wybraniec, schwärmte in einem Gespräch mit unserer Zeitung von einer „großartigen, tollen Bühne“. Besonders die hervorragende Technik habe der jungen Darstellerin, die seit dem Jahr 2013 auch bei Schauspielen auf der Deister-Freilichtbühne in Barsinghausen auf der Bühne steht, gefallen. Schauspielerei sehe die junge Frau durchaus als eine berufliche Perspektive an.

Daniel Warneke, Darsteller des boshaften Internatsleiter Rachin, empfand das Gastspiel als eine „anstrengende aber sehr schöne und tolle Erfahrung“. Wenn der 16jährige nach seinem Abitur auch Jura studieren wolle, mache ihm der Kurs Darstellendes Spiel sehr viel Spaß und in der Vergangenheit hat er dort auch schon einige Rollen spielen dürfen.

Sichtlich zufrieden war auch der für den musikalischen Teil der Aufführung zuständige Kollege von Ludger Deters, der 36jährige Musiklehrer Sebastian Harms. Anfangs habe er das Gastspiel in Ahmsen als eine „riesige Herausforderung“ gesehen. „Die außergewöhnlich gute Technik der Bühne und die dabei zuvorkommenden Techniker und alle Helfer der Waldbühne in Ahmsen haben das Gastspiel zu einem hervorragenden Ereignis gemacht“, lobte der Musiklehrer das Ambiente in Ahmsen.

Seit November des vergangenen Jahres hat der 40jährige Deters mit seinem Lehrerkollegen Sebastian Harms, der für den musikalischen Teil des Stücks verantwortlich ist, die Inszenierung mit den etwa 20 Darstellern und 80 Chormitgliedern einstudiert und geprobt. Im Foyer des MCG in Gehrden wurden drei erfolgreiche Aufführungen vor etwa jeweils 300 Besuchern gezeigt.

Das Gastspiel als solches war für die 100 Gymnasiasten ein anstrengendes Tagwerk. Frühmorgens ging es in Gehrden mit zwei Bussen und dem entsprechenden Equipment in einem Anhänger ins Emsland. Dort angekommen, galt es erste Stellproben und Laufwege auf der Bühne zu erproben. Eine Abstimmung der Live-Musiker mit der installierten Tonanlage auf der Waldbühne folgte. Bis zum Mittag herrschte noch hohe Anspannung und Nervosität bei allen Beteiligten vor und hinter der Ahmsener Waldbühne. Die Generalprobe am Nachmittag gab dann Zuversicht und Sicherheit für die eigentliche Aufführung. Eine gelungene Darbietung und 700 begeisterte Zuschauer gaben dann die Gewissheit: Das Gastspiel ist ein Erfolg!

Für die begleitenden Eltern organisierten die Walbühnenmitglieder ein Rahmenprogramm mit einer Besichtigung des Ahmsener Klosters und dem Schloss Clemenswerth in Sögel. Die gesamte Verpflegung über den Tag wurde im Spielerheim der Waldbühne organisiert. Kurz vor Mitternacht ging es dann wieder zurück nach Gehrden. Mit einer Wurst im Brötchen machten sich die begeisterten und zufriedenen Gymnasiasten auf die etwa dreistündige Heimfahrt.

von Martin Reinholz