Über die Belastung von Vätern diskutierten Christoph Hutter, Martina Kreidler-Kos, Marc Brost und Moderator Michael Reitemeyer. Foto: LWH

Über die Belastung von Vätern diskutierten Christoph Hutter, Martina Kreidler-Kos, Marc Brost und
Moderator Michael Reitemeyer. Foto: LWH

LWH-Workshop im Rahmen des Katholikentags

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus der Männerperspektive war Thema des Workshops „Väter unter Druck“, den das Ludwig-Windthorst-Haus am Donnerstag, 10. Mai, im Rahmen des Katholikentags in Münster angeboten hat. Im Mittelpunkt standen die Thesen des Journalisten Marc Brost, der in seinem Buch „Geht alles gar nicht“ die Vereinbarkeit von Beruf, Familie und Beziehung kritisch hinterfragt. Gesprächspartner auf dem Podium in der Münsterschen Marienschule waren die Osnabrücker Theologin Dr. Martina Kreidler-Kos, die im Generalvikariat für die Ehe- und Familienpastoral zuständig ist, sowie der Lingener Ehe- und Familienberater Dr. Christoph Hutter. Moderiert wurde die von gut 30 Gästen besuchte Veranstaltung von LWH-Direktor Dr. Michael Reitemeyer.

In einer zu Beginn des Workshops vorgetragenen Buchpassage kritisierte Marc Brost die von der Politik geteilte Annahme, Familie, Partnerschaft und Beruf unter einen Hut zu bringen sei einfach nur eine Frage der Organisation: „Ich ärgere mich über eine Politik, die hartnäckig behauptet, mit wenigen Monaten Elternzeit und ein paar Kita-Plätzen mehr lasse sich Deutschland in ein Familienparadies verwandeln.“ Für die „Rush-Hour des Lebens“, in der die Belastung für Männer in Beruf und Familie am höchsten sei, forderte der Autor flexiblere Arbeitszeiten, zum Beispiel durch ein Lebensarbeitszeitkonto. Der Leiter des Hauptstadtbüros der „Zeit“ wandte sich zudem gegen die Bagatellisierung der väterlichen Belastung: „Wir haben keine Überlebenssorgen, aber es sind Lebenssorgen!“

Diskutierte über seine Thesen mit anderen Eltern: Marc Brost. Foto: LWH

Diskutierte über seine Thesen mit anderen Eltern: Marc Brost. Foto: LWH

Christoph Hutter konnte die von Brost geschilderten Belastungserscheinungen vor dem Hintergrund seiner Beratungsarbeit bestätigen. Der Leiter des Psychologischen Beratungszentrums Lingen sieht die Hauptursache für die Probleme in der Beziehung von Männern zu ihrer Arbeit. In vielen Männerköpfen würde Hingabe an die Arbeit als Liebe zur Familie verstanden. „Männer haben sich der Arbeit hinzugeben, denn dann sind sie echte Männer“, überspitzte Hutter. Auch die Angst der Familie sozial abzusteigen würde in diesen „Rollenkäfig“ führen. Langfristig, so der Familienberater, brauche es eine gesamtgesellschaftliche Diskussion über den Stellenwert von Arbeit.
Martina Kreidler-Kos warb dafür, Väter nicht gegen die Mütter auszuspielen. Die Stärkung von Vätern dürfe nicht zur Abwertung der Mütter führen. Mit Blick auf die Politik forderte die vierfache Mutter: „Gebt Familien Zeit!“. Die innige Beziehung zwischen Eltern und Kindern dürfe kein Privileg von Gutverdienern sein.

„Die Entscheidung, wer Kinder erzieht, können viele Eltern gar nicht treffen“, stimmte Marc Brost wenig später zu. Eine Kleingruppe aus Workshopteilnehmern hatte Wünsche an die Politik formuliert und die Frage aufgebracht, wer für die Kindererziehung verantwortlich sei – die Eltern selbst oder der Staat. Brost sieht hier auch den Staat in der Verantwortung: „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf kostet Geld!“ Nur so könne er die Eltern bei der Erziehung unterstützen. Der Staat müsse mehr Geld in die Hand nehmen, um für kleinere und besser ausgestattete Kitagruppen und Schulklassen zu sorgen sowie für flexible Arbeitszeiten in den Unternehmen.
Bitte wenden Sie sich bei Rückfragen und für weitere Zulieferungen an Michael Brendel,
Tel.: 0591 6102-114, brendel@lwh.de.

In seinem Schlusswort äußerte der Journalist den Wunsch nach mehr Gelassenheit. Väter dürften nicht vergessen, dass sie glückliche Menschen sind, weil sie Väter sind. „Jede Minute, die wir mit unseren Kindern haben, ist so kostbar, dass wir sie genießen sollten.“