Lathen. Ein Beispiel aufs Exempel. Zu dieser Zeit, wenn der Raps überall blüht, sollte man auch einmal die Augen zu machen und hören, was beim Feld alles so passiert. Denn da ist eine Menge unterwegs. Vor allem Honigbienen findet man vielerorts an den Rapsfeldern, wie hier in Lathen bei den Feldern der Wirtschaftsbetriebe Meppen (WbM).

Seit vielen Jahren arbeiten die Landwirte Hand in Hand mit den Imkern der Region. „Wir möchten ein vernünftiges Miteinander finden, von dem wir alle profitieren“, beschreibt Dipl. Ing. agrar Martin Möllering, Betriebsleiter der WbM, die Zusammenarbeit. Die Landwirte profitieren davon, dass die Bienen den Raps bestäuben. Das steigere den Ertrag und sorge auch dafür, dass der Raps einheitlich reift. Somit kann der Landwirt seine Ernte im Sommer leichter planen und durchführen. Die Imker haben den großen Vorteil, dass sie ihre Bienenvölker an Feldern direkt in der Region abstellen können. „Viele Imker wandern mit ihren Völkern nach Schleswig Holstein und müssen die Tiere somit weit transportieren. Das brauchen wir hier nicht“, begründet Hermann Hüsers, Vorsitzender des Fördervereins Imme Bourtanger Moor e.V, die Entscheidung die Bienen regional bei Landwirten unterzubringen. Und leckerer Honig wird ja auch noch produziert. Also eine Win-Win Situation für beide Seiten.

Und was hat die Biene von dieser Vereinbarung?

Durch gezielte Kontrollen mit Schadschwellen-Auswertung der Rapsfelder wird exakt bestimmt, ob und in welchem Ausmaß eine Schädlingsbehandlung des Rapses erfolgen soll. „In den letzten drei Jahren konnten wir auf den Einsatz von Insektiziden verzichten“, so Jens Beelmann, Ackerbauspezialist bei den WbM. Und wenn doch mal eine Behandlung der Pflanzen notwendig wird, dann erfolgen gezielte Absprachen mit den Imkern. Somit können die Imker ihre Bienen schützen und den Stock schließen. „Hier in dieser Region ist der Schädlingsdruck auch nicht so hoch, da wir hier keine Haupt-Rapsanbauregion sind“, so Beelmann weiter. Vor allem auf den Einsatz der umstrittenen Neonicotinoide wird bei den WbM verzichtet. „Die Bienen können dann ein Problem mit der Orientierung bekommen. Daher möchten wir gerne, dass die Landwirte darauf verzichten“, bekräftigt Hüsers den Schutz der Insekten.

Die Wirtschaftsbetriebe in Meppen bauen in diesem Jahr insgesamt 400 – 450 Hektar Raps an. Vermarktet wird dieser zumeist regional an Ölmühlen und Bio-Diesel Hersteller. Bis zu 20 kg Honig kann ein Bienenvolk am Raps produzieren. Bis zu vier Bienenvölker finden genug Nektar und Pollen an einem Hektar Raps. Bis zum jetzigen Zeitpunkt wurden bereits rund 350 Bienenvölker rund um den Raps verteilt. Es ist also noch Raum für mehr Bienen. Interessierte Imker können sich gerne mit Imker und Wanderwart Björn Wicks, der sich um die Koordination der antransportierten Völker kümmert, in Verbindung setzen. Bis zu 1.000 kg / Hektar Ertragssteigerung sind durch die Bienen für den Landwirt möglich.

Noch ein paar allgemeine Daten:

Zur Aussaat im Herbst 2017 haben Niedersachsens Ackerbauern mit rund 114.000 Hektar etwa 8.000 Hektar Raps weniger gedrillt als im Vorjahr. Die Anbaureduzierung erfolgte überwiegend wegen ungünstiger Aussaatbedingungen, die Felder waren vielerorts nach dem regenreichen Sommer und Herbst schlichtweg zu nass für Bestellarbeiten. In Deutschland wächst Raps zur Ernte 2018 auf 1,283 Mio. Hektar, das sind 1,9 Prozent weniger als zur Ernte 2017.
Quelle der allgemeinen Daten: Landvolk Pressedienst 31/2018