Diskutierten mit Michael Reitemeyer (li.) über Windthorsts Friedensbegriff: Hubert Wolf, Bettina Jarasch und Meinhard Zanger. Foto: LWH

Diskutierten mit Michael Reitemeyer (li.) über Windthorsts Friedensbegriff: Hubert Wolf, Bettina
Jarasch und Meinhard Zanger. Foto: LWH

Podium “Die weißen Tauben sind müde” auf dem Katholikentag

Unter dem Motto „Die weißen Tauben sind müde“ hat das LWH auf dem Katholikentag ein Podiumsgespräch veranstaltet, in dem Ludwig Windthorsts Bemühungen um Frieden aktuellen Fragestellungen gegenüberstellt wurden. LWH-Direktor Dr. Michael Reitemeyer diskutierte darüber mit dem Münsteraner Kirchenhistoriker Prof. Dr. Hubert Wolf und der Berliner Grünenabgeordnete Bettina Jarasch im Fürstenberghaus am Dom.

Im vollbesetzten Hörsaal F5 rezitierte der Intendant des Wolfgang-Borchert Theaters in Münster, Meinhard Zanger, eingangs eine Rede Windthorsts, in der sich der Zentrumspolitiker gegen die langfristige Festschreibung von Rüstungsausgaben aussprach. „Windthorst hatte was gegen das Militärische“, deutete Hubert Wolf die Passage. Wenn über sieben Jahre Geld ins Militär flösse, ohne dass ein Feind existiere, würde das Geld an anderer Stelle fehlen – zum Beispiel bei Windthorsts Wählern. Die Anordnung des Papstes, dem Militäretat zuzustimmen, habe der katholischen Politiker damals nicht als bindend empfunden: „Ich finde genial, wie er die Weisung des Papstes geschickt umging“, befand der Historiker. „Laien haben nicht diese Nickmuskulatur, wie man es von Katholiken erwartet.“ Zudem sei Windthorst durch seinen Widerstand dem Vorwurf Bismarcks entgegen getreten, die Katholiken seien aus Rom „ferngesteuert“.

Auch in diesen Tagen werde wieder über eine Erhöhung des Wehretats debattiert, erinnerte Moderator Michael Reitemeyer. US-Präsident Trump und – wenn auch anders begründet – Verteidigungsministerin von der Leyen würden erwarten, zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für das Militär zur Verfügung zu stellen. Grünenpolitikerin Bettina Jarasch sieht diesen Vorstoß kritisch. Wichtiger seien Entwicklungshilfe und Friedenssicherung, denn „wenn erst einmal ein Krieg ausgebrochen ist, ist immer schon vorher versäumt worden etwas zu tun.“
Eine weitere von Meinhard Zanger vorgetragene Rede Windthorsts beschäftigte sich mit dem Antisemitismus. Der Zentrumspolitiker war ein strikter Gegner von Judenfeindlichkeit – nicht zuletzt mit Verweis auf die Goldene Regel – „Was du nicht willst, das man dir tu…“. Dabei habe er seine Partei nicht hinter sich gehabt, erklärte Kirchenhistoriker Wolf. „Es war damals nicht selbstverständlich, dem Judentum die gleichen Rechte zuzugestehen.“ Der Historiker erinnerte daran, dass sich auch die Katholische Kirche mit der Akzeptanz anderer Glaubensrichtungen lange schwer getan habe. „Wir brauchten in der Katholischen Kirche bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil, bis wir offiziell sagen konnten, dass Grundrechte mit unserem Glauben vereinbar sind. Deswegen sollten wir uns dieser Geschichte stellen.“

Windthorsts Eintreten für gleiche Rechte imponiert auch Bettina Jarasch. „Ich bin beeindruckt, wie Windthorst rechtsstaatliche Prinzipien hochhält. Das ist etwas, das wir heute dringend brauchen, auch in der Auseinandersetzung mit dem Islam“. Die Politikerin ist der Ansicht, die Kirchen sollten die Religionsfreiheit auch der Muslime hochhalten, solange sie sich auf dem Boden des Grundgesetztes befänden.

Auseinandersetzungen mit dem politischen Gegner, die Windthorst intensiv geführt hat, seien auch heute wichtig, damit Unterschiede zwischen den Parteien erkennbar werden. In den Jamaikasondierungen, an denen die Politikerin für die Grünen teilgenommen hat, seien diese
Unterschiede deutlich geworden. Den Abbruch der Sondierungen bedauert Jarasch: „Es wäre gut für unser Land, wenn’s geklappt hätte.“