„Mit den Augen der Täter“

„Mit den Augen der Täter“

Gedenkstätte Esterwegen eröffnet größte eigene Sonderausstellung

Meppen. Wer Mitte der 1930er Jahre in London, Paris oder sogar im südafrikanischen Pretoria die Zeitung aufschlug, konnte es lesen: In Deutschland gab es Konzentrationslager. Die Welt kannte die unmenschlichen Zustände in den Lagern, sie wusste von den Misshandlungen und Morden und übte Kritik daran. Den außenpolitischen Druck ließ die NS-Führung nicht unbeantwortet: Sie baute eine Gegenpropaganda auf. Dem Ausland, aber auch der eigenen Bevölkerung, sollten tadellose Lager vorgeführt werden. Es entstanden Fotos, die jetzt Thema der neuen Sonderschau „Mit den Augen der Täter – Ein Fotoalbum über das Konzentrationslager Esterwegen 1935“ in der Gedenkstätte Esterwegen, Hinterm Busch 1, in Esterwegen sind. Sie wird am Sonntag, 6. Mai, eröffnet. Es ist die bisher größte, eigene Sonderausstellung der Gedenkstätte.

Unter anderem das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda (RMVP) von Joseph Goebbels schickte im Oktober 1935 zwei Fotografen zum Konzentrationslager (KL) Esterwegen ins Emsland. Sie fotografierten das Lager und die Häftlinge. Das RMVP fasste die Aufnahmen anschließend als Album zusammen, das als Katalog diente, um die Fotos zu Propagandazwecken einzusetzen. Die neu konzipierte Sonderausstellung der Gedenkstätte Esterwegen bildet nun erstmalig das Album in seiner Gesamtheit als historisches Zeitzeugnis ab.

Zur Eröffnung wird Dr. Dirk Riedel vom NS-Dokumentationszentrum München, der über den Kommandanten in Esterwegen, Hans Loritz, promoviert hat, den Einführungsvortrag halten. Dr. Sebastian Weitkamp, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gedenkstätte und Kurator der Ausstellung, wird im Anschluss durch die Sonderausstellung führen.

„Es war eine Herausforderung, die geplante Wirkung der Fotos zu brechen. Deshalb haben wir sie mit den Aussagen ehemaliger Häftlinge über ihre Hafterlebnisse kontrastiert. Dadurch ist die damals beabsichtigte Darstellung eines ‚Bilderbuch-Lagers‘ ad absurdum geführt“, sagt Dr. Andrea Kaltofen, Geschäftsführerin der Gedenkstätte Esterwegen. Und Weitkamp ergänzt: „Die Fotos bildeten bewusst nicht die Lebenswelt der Häftlinge ab. Sie sollten einen schönen Schein zeigen. Misshandlungen bei der Zwangsarbeit, die Gewalt der SS-Wachmannschaften und der Tod im Lager: all das ist auf den Fotos nicht zu sehen.“ Insgesamt kamen zwischen 1934 und 1936 mindestens 34 Häftlinge im KL Esterwegen zu Tode.

Zur Realisierung des Projekts arbeitete die Gedenkstätte mit der Agentur sec – Kommunikation und Gestaltung aus Osnabrück zusammen, die die Grafik und den Ausstellungsbau entwarf. Auf zwei Ebenen – voreinander hängende Banner, die mit der Stofflichkeit des Materials den Bezug zum historischen Fotoalbum herstellen – werden Fotos, Zeugenaussagen und Hintergrundinformationen präsentiert.

Das Projekt wurde gefördert durch die Stiftung niedersächsische Gedenkstätten, die Emsländische Sparkassenstiftung und die Emsländische Landschaft e.V.

Die Sonderausstellung ist vom 6. Mai bis zum 14. Dezember 2018 zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Die Gedenkstätte ist von April bis Oktober, dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr, und von November bis März, dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr, geöffnet. Pfingstmontag ist die Gedenkstätte geöffnet. Vom 15.Dezember bis 15. Januar ist die Einrichtung geschlossen.

Nähere Informationen auch auf www.gedenkstaette-esterwegen.de.