Natur trifft Barock: Weideninstallationen auf Schloss Clemenswerth

Natur trifft Barock: Weideninstallationen auf Schloss Clemenswerth

Landschaftskünstler Joachim Jacob bespielt mit 3 Arbeiten die Teichinseln

Sögel. Seit 2009, also seit nunmehr neun Jahren, bezieht das Emslandmuseum Schloss Clemenswerth bei seinen Sonderausstellungen der Reihe ForumFormClemenswerth auch die Außenanlage mit ein. Insbesondere die ca. 400 Meter vom Schlossplatz entfernte Teichanlage mit ihren fünf Inseln bietet sich hierfür an. In diesem Jahr ist hier eine Installation aus drei Arbeiten des Landschaftskünstlers Joachim Jacob zu sehen. Unter dem Titel „Natur trifft Barock“ nimmt die Installation sowohl formal als auch inhaltlich auf die barocke Anlage Bezug.

Bei der Erstellung der drei Objekte ließ sich Joachim Jacob von der Architektursprache des Schlosses und seiner Dekorationen mit Rocailles, französisch für Muschelwerk, inspirieren. Rocailles sind muschelförmige Ornamente, die gern mit Blatt- und Rankendekorationen verbunden wurden. Sie sind ein Stilelement des Barocks, genauer genommen des Spätbarocks, der Zeit des sogenannten Rokokos. Jacob faszinieren diese konkaven und konvexen, die gegensätzlichen und zugleich sich ergänzenden Formen der Ornamentik, die auch die architektonische Grundrissgestaltung des Zentralgebäudes mit seinen Ein- und Ausbuchtungen prägen. Er selbst sagt: „Mir ist es wichtig architektonisch auf den Inseln, am Ende der Sichtachsen, auf die Schlossanlage zu reagieren.“

Auf der Insel im nördlichen Bassin steht die Figur „Les Echos“ in konvexer Form, mittig die Figur „Kurven/Raum/Spiel“ und auf der Insel im südlichen Bassin die Figur „Les Echos“ in konkaver Form. Die Arbeiten bestehen aus Weidenästen vom Hümmling. So nimmt Jacob mit der Verwendung von Weidenästen, wie das Rokoko mit der Rocaille, Bezug auf die Natur. Und ebenso wie in der spätbarocken Ornamentik wird sich bei den Weiden durch den Austrieb ein begleitendes Blattwerk entwickeln. Jacob macht es dem Betrachter nicht leicht. Denn die Arbeit auf dem mittleren Bassin erschließt sich erst richtig aus der Vogelperspektive. Aus der Seitenansicht bedarf es beim Betrachten eines großen Abstraktionsvermögens, um die Form zu erkennen. Auch hier gibt es Parallelen zum Rokoko, denn im Gesamtornament bleibt dem flüchtigen Blick die Rocaille zuweilen verborgen.
Joachim Jacob hat einen Teil der Weidenäste weiß getüncht, um zum einen die Arbeit wie eine abstrakte Raumzeichnung erscheinen zu lassen und zum anderen eine Fernwirkung zu erzielen. Damit ist sein Werk aus der Entfernung, vom Schloss aus, zu erkennen und lockt so den Besucher zu den Wasserflächen, von wo er die ausgedehnte Dimension der Jagdsternanlage eindrücklich erleben kann. Die Arbeiten von Jacob treten in einen inhaltlichen und formalen Zusammenhang zur spätbarocken Schlossanlage. Das Gesamtkunstwerk Schloss Clemenswerth und die Weidenobjekte stehen so in einer Beziehung und stellen die Frage in den Raum nach den Wechselwirkungen, Verbindungen und Symbiosen zwischen Architektur und Natur.

Die Installation, die bis 31. Oktober zu sehen ist, wird gefördert mit Mitteln der EWE STIFTUNG und der Emsländischen Sparkassenstiftung. Eine Vernissage findet in Form eines Kunstgespräches mit Joachim Jacob und Museumsdirektor Oliver Fok am Donnerstag, den 16. August um 18.30 Uhr, statt. Interessierte sind hierzu herzlich eingeladen.