Keine Pilotenlizenz nötig

Dörpen. Wem eine Ballonfahrt über das Emsland oder der Europapark Rust bei Freiburg zu langweilig ist, der sollte sich dieses – leider etwas teurere – Angebot genauer anschauen. Bei der Schweizer Firma MiGFlug ist es möglich, in einem echten Kampfjet mitzufliegen. Eine Pilotenlizenz ist oder Flugerfahrung ist dazu nicht nötig.

Sie können den Jet sogar selber steuern

Nach einer Einweisung mit Briefing, etwas Theorie, Sicherheitstraining, Schleudersitztraining und in-Cockpit Training ist der Kunde bereit für einen Flug in der Aero L-39 Albatros. Bei gesunden Passagieren ist nicht mal ein vorgängiger Check beim Arzt nötig, MiGFlug empfiehlt aber, bei Zweifeln einen Check zu machen. Sicherheit steht immer an oberster Stelle, was in null Zwischenfällen bei tausenden von durchgeführten Flügen resultiert. Falls dem Kunden mulmig ist kann er ohne Nennung von Gründen den Flug verweigern, und er erhält sein Geld zurück. Davon hat bisher noch kein einziger Kunde Gebrauch gemacht, darauf ist man bei MiGFlug schon ein wenig stolz, wie CEO Philipp Schaer sagt.

Das Flugprogramm wird ganz auf den Kunden zugeschnitten. Dabei wird zunächst beim Briefing versucht herauszufinden, was der Kunde will. Manche möchten so viel verrückte Manöver und G-Kräfte wie möglich, andere gehen es etwas vorsichtiger an. Während des Flugs kann sich das jedoch ändern. Manche entdecken Ihren inneren wilden Mann, andere merken dass sich ab 5g der Bauch bemerkbar macht und es schwarz vor den Augen wird. Aus diesem Grund steht der Pilot in dauerndem Kontakt mit dem Kunden, und fragt nach jedem Manöver nach, wie er sich fühlt. Das Flugprogramm wird dann entsprechend angepasst. Das erklärte Ziel ist, dass jeder Kunden das für ihn optimale Flugprogramm erhält. Es geht nicht darum, zu zeigen zu was der Pilot oder das Flugzeug imstande sind. Ideal ist übrigens, wenn der Kunde nach der Landung sagt: „Uff, das war unvergesslich, aber nun bin ich froh, wieder festen Boden unter den Füssen zu haben“. Falls man den Kunden zu wenig fordert denkt er sich dass es ruhig hätte etwas mehr sein können – falls der Pilot aber zu weit geht wird es dem Kunden rasch schlecht. Und obwohl „Kotztüten“ an Bord sind für den Fall der Fälle, man versucht dies möglichst zu vermeiden. Dabei hilft den Piloten die langjährige Erfahrung mit Kundenflügen. Neben zahlreichen Kunstflugfiguren werden auch simulierte Angriffe und Manöver geflogen, sofern der Kunde dies wünscht. Und das Beste – der Kunde kann den Jet in der Luft zeitweise selber kontrollieren – dies natürlich in entsprechender Höhe, und immer mit Unterstützung des erfahrenen Piloten.

Nicht nur in Deutschland kann Kampfjet geflogen werden

Kampfpilot für einen Tag

Kampfpilot für einen Tag

Die Firma MiGFlug GmbH mit Sitz in Zürich ist ein langjähriger Spezialist, welcher ausschliesslich Kampfjet-Flüge anbietet. Was zunächst in Russland begann, wurde inzwischen auf die halbe Welt ausgeweitet. Die Möglichkeit, solche Jetflüge anbieten zu können, sind vor allem auch eine Folge des Ende des Kalten Krieges. Auf einmal war massiv modernstes Militärarsenal im Überfluss vorhanden, was fehlte hingegen waren finanzielle Mittel. MiGFlug hat sich diesen Umstand zunutze gemacht und die Russen davon überzeugt, mit zahlenden Passagieren zu fliegen. So konnte MiGFlug Flüge in modernsten Kampfjets, wie Sukhoi Su-27, Mikoyan MiG-29 oder der monströsen MiG-25 Foxbat anbieten – bis auf über 25km Flughöhe im sogenannten Stratosphärenflug. Heutzutage sind wegen der geänderten politischen Situation und zunehmenden Spannungen mit dem Westen leider viele dieser Flüge nicht mehr verfügbar. MiGFlug arbeitet aber an Alternativen, und rechnet damit, im nächsten Jahr wieder Stratosphärenflüge anzubieten. Dabei wird derart hoch geflogen, dass die Erdkrümmung mit blossem Auge deutliche zu sehen ist. Da dabei mit monströsen Maschinen mit zweifacher Schallgeschwindigkeit geflogen wird, sind solche Stratosphärenflüge leider sehr teuer.
Weniger teurere Angebote – wie die L-39 in Paderborn – werden dafür nun in zahlreichen Ländern angeboten, und erfreuen sich grösster Beliebtheit. Die Flüge werden über MiGFlug direkt, wie auch über zahlreiche Wiederverkäufer vermarktet. Darunter sind vor allem Geschenkplattformen und Erlebnisanbieter, in Deutschland z.B. mydays/Jochen Schweizer.