Die Bobath-Therapie speziell für Säuglinge/Kinder (Foto: Fotolia)

Die Bobath-Therapie speziell für Säuglinge/Kinder (Foto: Fotolia)

Was viele frischgebackene Eltern beschäftigt:- „Wann „muss“ mein Kind was können?“

Die motorische Entwicklung des Kindes wird heutzutage an den sogenannten „Meilensteinen“ festgelegt. Sie sind Aktivitäten des Kindes, die ein Kind in bestimmten chronologischen Stadien erreicht.
Zu beachten ist, dass sie isoliert aus dem Zusammenhang einer vielseitigen Entwicklung herausgenommen sind. Sie werden benutzt, um den motorischen und geistigen Fortschritt eines Kindes zu testen und haben ihren Wert bei der Feststellung und Diagnose motorischer und geistiger Entwicklungsverzögerungen, besonders in den Fällen, wo man keine pathologischen (krankhaften) Abweichungen findet.

Warum sollte man aber nicht nur die Meilensteine beachten?

Die kindliche Entwicklung geht nicht von einer linearen Folge einzelner „Meilensteine“ voran, wie es aus mehreren Quellen und Entwicklungskalender deutlich wird und/oder zur Irritationen führt. An dieser Stelle gelangen oftmals die Mütter an einen Punkt, an dem sie verängstigt sind.

Im Gegensatz zu unserer vorherigen Generation gibt es im Bezug auf die Betrachtung/Beurteilung des kindlichen Reifezustandes wesentliche Unterschiede.
Unsere Mütter/Schwiegermütter lernten festgelegte Zeitpunkte der Entwicklung, an dem das Kind etwas können sollte/muss, z.B.: mit sechs Monaten sitzen können.
Die größten Entwicklungsfortschritte macht der Säugling in seinem ersten Lebensjahr. Wenn man sich nur auf die Phasen der körperlichen Entwicklung bezieht, erlernt er in diesen zwölf Monaten mehr einzelne Entwicklungsfortschritte, als in seinen folgenden Lebensjahren. So lernt er den Prozess des Kopfhebens und der Körperrotation (Drehung des Körpers), den Prozess des Sitzens und des Krabbelns und kommt über das Stehen meist zum Prozess des Laufens. Diese erwähnten Aktivitäten sollte das Kind selbstständig erlernen und sollten ihm nicht vorweg genommen werden, z.B.: das Kind passiv hinsetzen.
Hierzu sollten die Meilensteine eine Orientierung anbieten, welche motorischen Aktivitäten im Verlauf der kindlichen Entwicklung auftreten und welche Zeiträume beobachtet und abstrakt beschrieben werden konnten.

Das ausschließliche „Festhalten“ an Meilensteinen ist also nicht von großer Bedeutung, sondern vielmehr der Blick auf Funktionalität und das „WIE?“ im Bezug auf die Bewegung.
Zum Beispiel kann das Kind über seine Kraft im Rumpf von der Rückenlage auf die Seite drehen. Es kann aber auch durch Überstrecken des Kopfes sich auf die Seite drehen. Hier kommt es dann zum wesentlichen Punkt:

Drehen = Drehen? -NEIN !

Sonja Bohlen (Physiotherapeutin und Inhaberin der Physiopaxis Schoe) wendet die Bobath-Therapie bei Säuglingen und Kinder in der Physiopaxis an.

Sonja Bohlen (Physiotherapeutin und Inhaberin der Physiopaxis Schoe) wendet die Bobath-Therapie bei Säuglingen und Kinder in der Physiopaxis an.

Es kommt auf die Qualität und Variabilität der Bewegungen des Kindes an.
Das Überstrecken des Kopfes, um bei dem Beispiel zu bleiben, kann verschiedene Ursachen haben und die weitere Entwicklung ihres Kindes verzögern/beeinträchtigen.
Komplikationen während der Geburt, wie z.B.: Kaiserschnitt, Saugglocke, sehr schnelle/langsame Geburt o.ä..
Aber auch ein ungünstiges Handling (Handhabung des Kindes) und ungünstige Umfeldgestaltung des Kindes können Ursache für eine geringe Qualität der Bewegung oder sogar eine verzögerte Entwicklung hervorrufen.

Wie sieht eine Förderung aus?

Durch die physiotherapeutische Methode nach Bobath kann eine individuelle Einschätzung der Entwicklung des Kindes ausgeführt werden. Zum Beispiel in der Bobath-Therapie speziell für Säuglinge/Kinder.

Die Bobath-Therapie …

…wurde vom Ehepaar Dr. h.c. Berta Bobath und Dr. Karel Bobath entwickelt. Es ist ein offenes Konzept, das ständig durch gewonnene Erfahrungen weiter entwickelt wird. Hauptziel ist die Einbeziehung des Kindes in seiner Persönlichkeit. Es richtet sich an Säuglinge, Kinder und Jugendliche mit angeborenen und/oder erworbenen Störungen des ZNS (zentralen Nervensystems), sensomotorischen Auffälligkeiten und Entwicklungsverzögerungen/ -störungen. Vordergründig wird für den Befund beobachtet, welche Fähigkeiten und Eigenaktivitäten das Kind hat. Es gibt keine standardisierten Übungen, im Vordergrund stehen individuelle Aktivitäten wie Kommunikation, Nahrungsaufnahme, Fortbewegung und Spiel.
Es erfolgt eine enge Zusammenarbeit mit allen beteiligten Berufsgruppen wie den behandelnden Kinderärzten /-innen, Hebammen, Osteopathen/-innen, zeitweise auch mit Kollegen der Orthopädietechnik, um mögliche Ursachen zu diagnostizieren und therapieren zu können.

Damit Sie in etwa einschätzen können, was Sie bei mir erwartet: Sie werden Zeit haben, “anzukommen” und zu erzählen, was Ihnen an Ihrem Kind auffällt. Wir werden Ihr Kind gemeinsam beobachten und uns darüber austauschen, was wir sehen, z.B.: was es spontan kann und wie es das macht. Bei Auffälligkeiten werden wir nach den Ursachen suchen, warum es das macht. Sie können jederzeit Fragen stellen. Ich werde sagen, was ich sehe, denke und mit meinen Händen feststelle.
Manche Ursachen, wie Gelenkfunktionsstörungen (Blockaden) oder Muskeltonusstörungen (zu viel oder zu wenig Spannung in den Muskeln des Säugling), werden in der Therapie durch verschiedene Techniken und Maßnahmen therapeutisch behandelt.
Dies allein ist allerdings nicht zielführend, damit ein Säugling sich qualitativ gut entwickelt. Deshalb ist in der Physiotherapie das Handling von großer Bedeutung. Ich werde erklären, warum ich etwas mache und auch an den Eltern praktisch demonstrieren, wie ich etwas mache. Dieses Vorgehen ist ganz individuell angepasst.

Denn der Erfolg der Therapie hängt entscheidend davon ab, dass Sie – die Eltern – nicht nur theoretisch verstehen, sondern auch praktisch begreifen, was, wann und warum Sie etwas für Ihr Kind tun können und dieses mit in den Alltag nehmen.

Um eine spezielle Therapie für Säuglinge/Kinder wahrnehmen zu können, verordnet meist der Kinderarzt nach eingehender U-Untersuchung die Therapie. Jedoch kann auch eine Befundung oder ein Erstgespräch eigenständig bei Heilpraktikern für Physiotherapie mit dementsprechender Qualifikation ohne ärztliche Verordnung wahrgenommen werden. Gerade dann, wenn Mama und Papa verunsichert sind und „auf Nummer sicher“ gehen möchten.

Die Autorin

Sonja Bohlen ist Physiotherapeutin und Inhaberin der Physiopaxis Schoe (www.physiopraxis-schoe.de)