Stammzellen bleiben unentbehrlich für Forschung & Medizin (Foto: © Sven Hoppe - Fotolia.com)

Stammzellen bleiben unentbehrlich für Forschung & Medizin (Foto: © Sven Hoppe – Fotolia.com)

Sie ist immer wieder Gegenstand ethischer Diskussionen und bleibt trotzdem unentbehrlich: die Stammzellenforschung. Während adulte und neonatale Stammzellen in der Regenerativen Medizin bereits seit vielen Jahren erfolgreich eingesetzt werden, um zerstörtes Gewebe zu ersetzen und verschiedene Krebsformen zu bekämpfen, sieht die Forschung insbesondere in embryonalen Stammzellen theoretisch unbegrenztes Potenzial. Doch wie sehen die Perspektiven tatsächlich aus?

Stammzelle: Wunderwerk von Mutter Natur

Die Stammzelle ist der Ursprung allen Lebens: In ihr befindet sich der Bauplan des gesamten Organismus und im adulten Zustand sorgt sie für die Zellregeneration. Der Stammzelle haben wir es zu verdanken, dass unser Körper verletztes Gewebe bis zu einem gewissen Grad erneuern und sich über Nacht regenerieren kann. Das größte medizinische Potenzial weist die Stammzelle im embryonalen Zustand auf, da sich die embryonale Stammzelle noch zu jedem Gewebetyp ausdifferenzieren lässt und außerdem ein sehr geringes Risiko für genetische Beschädigungen aufweist. Ab dem Moment der Geburt ist die Stammzelle adult und lässt sich nur noch zu jenen Gewebetypen entwickeln, aus denen sie gewonnen wurde (Haut, Blut u. Knochenmark).

Da die Gewinnung embryonaler Stammzellen jedoch nur durch die Zerstörung des Fetus möglich ist, ist die embryonale Stammzellenforschung gegenwärtig nur sehr eingeschränkt möglich und als Therapiemöglichkeit nicht zugelassen. Die Medizin arbeitet daher häufig mit sog. neonatalen Stammzellen, welche direkt nach der Geburt aus dem Nabelschnurblut gewonnen werden. Diese Stammzellen haben ebenfalls ein sehr geringes Risiko für Genschäden und lassen sich noch zu einer Vielzahl von Zelltypen (z.B. Blut-, Muskel-, Knorpel- und Organzellen) differenzieren. Weitere Details zu Stammzellarten stellt beispielsweise die Nabelschnurblutbank Seracell bereit.

Stammzellen in der Medizin: Forschungsstand

In der Regenerativen Medizin werden Stammzellen bereits seit vielen Jahren eingesetzt, um zerstörtes Gewebe durch Transplantation zu ersetzen bzw. die Zellerneuerung anzuregen (z.B. nach großflächigen Hautverbrennungen). Die Stammzelltherapie hat in den letzten Jahren so gute Fortschritte gemacht, dass Leukämie und Lymphdrüsenkrebs bei Kindern mittlerweile als heilbar gelten. Weitere gegenwärtige Therapiemöglichkeiten im Bereich der Stammzellforschung sind:
• Behandlung der altersbedingten Makuladegeneration
• Vorbeugende und akute Maßnahmen bei koronarer Herzkrankheit (die Injektion von Stammzellen stärkt die Herzmuskulatur)
• Behandlung von Kindern nach schweren Hirntraumata

Stammzellen in der Forschung: Perspektiven

Obgleich die konkreten Ergebnisse derzeit noch hinter den Erwartungen zurückbleiben, erhofft sich die Forschung in den nächsten Jahrzehnten entsprechende Therapiemöglichkeiten für Leukämie und Lymphdrüsenkrebs bei Erwachsenen sowie für verschiedene Autoimmunerkrankungen (Morbus Lupus, Diabetes mellitis Typ 1). Auch Schlaganfälle sowie die Entwicklung von Parkinson und Alzheimer sollen zukünftig verhindert werden, indem Risikopatienten vorbeugend mit Stammzellen behandelt werden.
Eine weitere Forschungsperspektive, die jedoch noch nicht in der klinischen Phase ist, ist der Einsatz embryonaler Stammzellen gegen Gefäßerkrankungen wie Thrombose und Arteriosklerose. Das Ziel ist es, Herzinfarkte und Amputationen zu vermeiden, indem Risikopatienten sog. Endothelzellen injiziert werden. Diese Zell-Vorstufen sind für die Spannung innerhalb der Blutgefäße verantwortlich und sollen Schädigungen entgegenwirken bzw. diese bis zu einem gewissen Grad sogar reversieren.